Lektion 1 von 13 · Mitgliedschaft aufbauen

Membership-Modell: Wie funktionieren Mitgliedschaften?

In einem Membership-Modell kommen zwei Dinge zusammen: die Bindung an eine gemeinsame Mission und ein konkreter Nutzen durch exklusive Vorteile. Spenden beruhen allein auf Bindung, Abos allein auf Nutzen. Mitgliedschaften vereinen beides, und deshalb funktioniert dieses Geschäftsmodell für unabhängige Medienmacher:innen am besten.

Video 12:02Lesezeit 5 Min.Mit Sebastian EsserStand:

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0:00Bindung und Nutzen – und warum Werbung schwierig ist

Es gibt nicht viele Arten, mit Texten, Podcasts oder Videos im Internet Geld zu verdienen. Entweder zahlt jemand dafür, dem Publikum Werbung anzeigen zu dürfen, oder das Publikum zahlt selbst. Es gibt hier zwei Dimensionen, die ich dir zeige. Eine ist kalt und die andere ist heiß: Das eine ist Mission oder Bindung, das andere ist Nutzen.

Mit Bindung meine ich zum Beispiel eine politische Ausrichtung, wie die Junge Welt oder Tichys Einblick, also rechte Medien, oder das Greenpeace Magazin und die taz, also linke Medien. Es gibt also eine politische Bindung. Es kann aber auch um eine gemeinsame Leidenschaft gehen, eine gemeinsame Obsession der User: ein Fußballverein, ein bestimmtes Hobby, eine bestimmte Nische. Oder das Interesse am Medienmacher oder an der Medienmacherin als Persönlichkeit. Die User sind dann Fans.

Mit Nutzen wiederum meine ich die exklusiven Vorteile, die Nutzer:innen bekommen. Sie können sich zum Beispiel einloggen und kommen damit an einer Paywall vorbei. Oder sie können etwas herunterladen, an einem Event teilnehmen. Sie kaufen also einen Service oder ein Produkt.

Davon gibt es jetzt mehrere Varianten. Wenn es keinen Nutzen gibt und auch die Bindung fehlt, dann zahlt natürlich niemand etwas. Das heißt nicht, dass solche Angebote erfolglos sind, im Gegenteil. Um Geld mit Werbung zu verdienen, müssen sie natürlich besonders erfolgreich darin sein, User zum Klicken zu bewegen. Aber das ist in den letzten zehn Jahren immer schwieriger geworden. Denn niemand schlägt Social-Media-Plattformen in Sachen Klebrigkeit. Kein Verlag, kein Creator, keine Medienmacherin bindet User jeden Tag eineinhalb Stunden an sich. Das tun aber Social-Media-Plattformen wie TikTok oder Instagram, du kennst das sicher aus deinem eigenen Alltag. Zudem wissen diese Plattformen so viel über ihre User – sie kennen unser Nutzungsverhalten, wissen, mit wem wir befreundet sind, und so weiter –, dass Werbung dort viel effektiver funktioniert und sich viel besser verkaufen lässt als bei einer digitalen Zeitung, einer Website oder einem Blog.

Für mich ist das größte Problem an diesem Modell – abgesehen von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denn es ist sehr schwierig, damit Geld zu verdienen –, dass Werbung die Inhalte normalerweise schlechter macht. Irgendwann stellt sich die Sinnfrage: Warum machen wir das überhaupt, wenn es dazu führt, dass man auf einmal Inhalte produziert, die nur für Engagement gemacht sind, damit die Leute draufklicken? Clickbait und so weiter.

2:29Spenden: zahlen ohne Gegenleistung

Deswegen würde ich gerne einen Schritt weitergehen und die nächste Option anschauen, und das sind Spenden. Wenn es keinen exklusiven Nutzen für zahlende Kund:innen gibt, sie aber trotzdem zahlen, dann handelt es sich um eine Spende. Sie zeigen mit dem symbolischen Akt der Zahlung, dass sie diese Sache unterstützen. Mit ihrem Geld geben sie ein Statement ab und weisen mithilfe der Zahlung nach, dass sie es ernst meinen.

Es gibt sogar einen wissenschaftlichen Begriff dafür, das nennt sich Geltungskonsum. Ein soziologischer Begriff, den ich ganz interessant finde. Die Leute haben dadurch auch einen eigenen Nutzen: Sie geben sich nach außen zu erkennen. Manchmal als besonders wohlhabend, indem man sich einen Porsche oder eine Rolex kauft. Oder als besonders gebildet, indem man sich Kunst an die Wand hängt, einen Bildband neben das Sofa legt, die Zeit unter den Arm klemmt oder sie leger auf dem Küchentisch liegen hat. Oder als guter Mensch, indem man einen Baum pflanzt und davon berichtet, ans Tierheim spendet, für UNICEF spendet und so weiter.

Es gibt auch Medien, die dieses Geschäftsmodell verfolgen, allerdings immer weniger. Die taz zum Beispiel hat ein Programm, das nennt sich „taz zahl ich“. Sie setzt darauf, dass die Leute aus Solidarität zahlen. Früher hat das auch der Guardian gemacht, aber auch der macht das schon lange nicht mehr.

Der Nachteil an diesem Modell: Die Leute zahlen selten mehr als einmal. Warum sollte man regelmäßig zahlen, jeden Monat? Mit dieser symbolischen Zahlung hat man die besondere Beziehung schon nachgewiesen. Es fühlt sich für die Leute an, als hätten sie ihren Teil schon getan. Dann denkt man sich: Na gut, jetzt sollen andere ran, ich habe schon gezahlt. Sonst wäre ich der Dumme, der jeden Monat zahlt, und alle anderen können es kostenlos nutzen. Trittbrettfahrerproblem nennt sich das.

Für dich bedeutet das: Die Durchschnittssumme, die eine Kundin oder ein Kunde bei einer Spende ausgibt, ist sehr niedrig, weil die Leute nur einmal zahlen. Stell dir vor, du bekommst einmal 20 Euro. Das ist nice und fühlt sich für die Person, die zahlt, auch nach viel Geld an. Aber mit einer Mitgliedschaft, die monatlich 5 Euro kostet, hast du schon nach vier Monaten mehr verdient als mit dieser einen Spende. Und da die Leute bei einer Mitgliedschaft im Schnitt drei Jahre Mitglied bleiben, ist die Spende ein sehr viel schlechteres Geschäft für dich.

Dazu kommt, dass die Konversionsrate sehr niedrig ist. Der Anteil des Gesamtpublikums, der zahlt, ist noch niedriger als in den anderen Segmenten. Vielen Leuten erschließt sich nicht, warum sie zahlen sollten, ohne etwas davon zu haben. Es gibt diese Leute, aber es sind wenige, besonders wenn andere es nicht tun. Das ist das dritte Problem. Beim schon erwähnten Guardian zucke ich immer zusammen, wenn Medienleute oder Journalist:innen sagen, der Guardian mache das auch. Das funktioniert beim Guardian, oder hat beim Guardian funktioniert, nur weil er eine Milliardenreichweite auf der ganzen Welt aufgebaut hat. Diese Option besteht für fast niemanden, ganz bestimmt nicht für unabhängige Medienmacher:innen. Wenn die Konversionsrate so niedrig ist, muss die Reichweite riesengroß sein, damit ein Geschäft daraus wird.

5:41Abos: viel Nutzen, wenig Bindung

Gehen wir einen Schritt weiter, nach oben links: Das sind die Abos. Wenn du dich auf Zeitungswebsites umschaust, haben die meisten Verlage heute so ein Plus-Modell. Das ist ein digitales Abo: schwache Bindung, aber dafür hoher Nutzen. Die Anbieter verkaufen hier Inhalte, sie betreiben Paid Content, so nennen sie das auch. Um die Nutzer:innen zum Zahlen zu bewegen, sperrt man alle Nichtzahlenden aus, indem man eine Paywall einzieht, die sie am Weiterlesen hindert. Und das funktioniert ziemlich gut. Seit Jahren wächst das schön weiter, und es hat sich wieder ein Geschäftsmodell für Journalismus gefunden – für die großen traditionellen Verlage, für die New York Times, die Washington Post, Spiegel, Zeit, vielleicht sogar für deine Lokalzeitung.

Aber für unabhängige Medienmacher:innen oder Creators ist dieses Modell echt schwierig. Denn es funktioniert nur dann, wenn das Produkt selbst einen Wert schafft, wenn die Nutzenden also bereit sind, für die Nutzung dieses Produkts zu zahlen. Das ist aber sehr teuer herzustellen. Ein Beispiel: Wenn man von Deutschland aus die Washington Post abonniert, zahlt man im Moment, glaube ich, 2 Euro, manchmal 5 Euro. Das ist super billig, in den USA ist es natürlich teurer. Dafür bekommt man jeden Tag Journalismus in super hoher Qualität, hergestellt mit unglaublich viel Aufwand und Tausenden Mitarbeitenden. Wenn du als unabhängige Medienmacherin oder unabhängiger Creator da in Konkurrenz treten willst, müsstest du für diesen Preis ein ähnliches Produkt bieten. Das geht überhaupt nicht. Das ist ein anderes Segment. Deswegen ist es super schwierig, allein ein Produkt herzustellen, das so viel wert ist und den Usern so viel Nutzen bietet, dass sie wirklich bereit sind, jeden Monat so viel Geld dafür zu zahlen. Die Hürden, in diesen Markt einzutreten, sind viel zu hoch.

Das zweite Problem: Die Anzahl der Leute, die wieder kündigen, ist recht hoch. Die Churn-Rate, also der Anteil der Leute, die kündigen, liegt irgendwo zwischen 5 und 10 Prozent. Bei manchen Medien sicher auch darunter, aber nach Untersuchungen des Dienstleisters ProfitWell liegt die Churn-Rate bei Medienangeboten zwischen 5 und 10 Prozent. Bei Mitgliedschaften ist das viel niedriger, weil es sich nicht um Paid Content handelt, sondern um eine Beziehung. Aber dazu gleich mehr. Bei Abos wird es relativ schnell zu einem Rattenrennen: 5 bis 10 Prozent der Leute kündigen, und die muss man erst wieder ersetzen, um überhaupt zu wachsen oder sich stabil zu halten. Wenn die Nutzer:innen ihre Zahlung allein vom Nutzen abhängig machen, haben sie keine Hemmung, zu kündigen oder zur Konkurrenz zu wechseln, wenn die günstiger ist.

Ein Beispiel wäre Spotify: fantastisches Produkt, die ganze Musik der Welt. Aber wenn andere Anbieter, zum Beispiel Apple Music, das gleiche Produkt wesentlich günstiger anbieten oder Musik in einem Paket mit anderen Produkten bündeln, dann wechseln viele Abonnent:innen, und der Churn geht hoch.

8:39Mitgliedschaften: Bindung und Nutzen zusammen

Damit kommen wir zum letzten Quadranten, den wir Mitgliedschaft nennen: die Kombination aus Bindung und Nutzen. Das ist der Sweetspot. Für unabhängige Medienmacher:innen funktioniert das Geschäftsmodell hier am besten. Und das unterscheidet Mitgliedschaften von Spenden und von Abos: Es geht um eine Mission oder eine Bindung wie bei den Spenden, und es gibt einen Nutzen wie bei den Abos.

Die Kombination davon schafft die Zahlungsbereitschaft. Das gemeinsame Interesse an einer gemeinsamen Sache schafft Identität. Die exklusiven Vorteile für zahlende Mitglieder schaffen dann die Zahlungsbereitschaft. So kann eine Community entstehen, um eine Publikation oder um dich als Person herum. Und ein Teil dieser Community, die Mitglieder, zahlt dann regelmäßig, obwohl das Produkt allein vielleicht nicht konkurrenzfähig wäre. Du willst vielleicht nicht mit Spiegel Plus oder Zeit Plus konkurrieren, oder mit Spotify, wenn du einen Podcast machst. Denn neben dem Nutzen gibt es noch eine emotionale, identitätsartige Bindung. Die sorgt dafür, dass die Mitglieder seltener kündigen als bei Abos. Und dass sie regelmäßig zahlen, dafür sorgt der Nutzen.

Die durchschnittliche Churn-Rate bei Steady liegt irgendwo zwischen 2 und 3 Prozent über die gesamte Plattform hinweg, manchmal auch ein bisschen über 3 Prozent. Jedenfalls ist sie sehr viel niedriger als bei reinen Abo-Medien. Ein durchschnittliches Mitglied ist, wie eben beschrieben, ungewöhnlich treu im Vergleich zu diesen anderen Geschäftsmodellen. Es zahlt jahrelang, im Schnitt etwa drei Jahre. Und selbst bei recht niedrigen Preisen ist der sogenannte Lifetime Value – bitte nicht wegschalten, das ist nicht kompliziert – relativ hoch. Das ist die Gesamtsumme, die ein durchschnittliches Mitglied in der gesamten Zeit ausgibt, in der es Mitglied ist. Der ist relativ hoch, selbst wenn deine Mitgliedschaftspreise im Vergleich zu teuren Abo-Angeboten relativ niedrig sind.

Deswegen eine Frage an dich: Wo positionierst du dich im Moment in dieser Vier-Felder-Grafik? Bittest du mit einer Kontonummer und einem PayPal-Knopf eher um Spenden? Wenn man einen PayPal-Knopf einbaut oder sagt: Überweis mir Geld, wenn du das hier zu schätzen weißt, dann ist das eher eine Spende. Nachteil: Die Leute zahlen nur einmal, der Lifetime Value ist sehr niedrig, die Konversionsrate ist sehr niedrig.

Versuchst du, den Leuten alles Mögliche anzubieten, und argumentierst über die Features und die exklusiven Vorteile? Dann sind das möglicherweise Abos. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dein Angebot nicht so toll sein kann, weil du allein bist oder ihr ein kleines Team seid.

Nimmst du vielleicht gar kein Geld und arbeitest stattdessen, etwas zugespitzt gesagt, als unterbezahlter Praktikant für Social-Media-Plattformen, die ohnehin genug Geld verdienen?

Oder kombinierst du Bindung und Nutzen zu einem Mitgliedschaftsangebot? Wenn du das tust oder machen möchtest, dann ist relativ klar, was jetzt passen muss: Die Mission muss deinen Usern total klar sein, und die Gegenleistung muss ihnen etwas wert sein. Man muss also erst verstehen: Was ist die Mission, und was sind die Gegenleistungen? Das sollten wenige sein, sie sollten klar sein, und sie sollten etwas wert sein. Dann wird ein Geschäft daraus.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Ob Menschen im Internet für Inhalte zahlen, hängt von zwei Dingen ab, von Bindung und von Nutzen.
  2. Einnahmen aus Werbung und Spenden lassen sich kaum vorhersagen und tragen ein Medienprojekt selten auf Dauer.
  3. Ein Abo ist ein Tauschgeschäft: mein Produkt gegen dein Geld.
  4. Eine Mitgliedschaft geht weiter (mein Produkt und/oder unsere geteilte Mission gegen dein Geld) und ist der beste Kompromiss aus Bindung und Nutzen.
  5. Welches Modell zu dir passt, hängt von deiner Mission und deinen Gegenleistungen ab.

Wer mit Texten, Podcasts oder Videos im Internet Geld verdienen will, hat nur wenige Wege. Entweder zahlt jemand dafür, deinem Publikum Werbung zeigen zu dürfen, oder dein Publikum zahlt selbst. Welches Modell zu dir passt, hängt von zwei Fragen ab: Wie eng ist dein Publikum an dich gebunden, und welchen Nutzen bekommt es für sein Geld?

Bindung und Nutzen

Bindung heißt, dass dein Publikum etwas mit dir teilt. Das kann eine politische Ausrichtung sein, wie bei der taz oder dem Greenpeace Magazin, oder eine gemeinsame Leidenschaft für einen Fußballverein, ein Hobby, eine bestimmte Nische. Es kann auch das Interesse an dir als Persönlichkeit sein; dann sind deine Leser:innen Fans.

Nutzen heißt, dass Zahlende exklusive Vorteile bekommen. Sie loggen sich ein und kommen an der Paywall vorbei, sie laden etwas herunter oder besuchen eine Veranstaltung. Sie kaufen also eine Dienstleistung oder ein Produkt.

Aus beiden Dimensionen ergeben sich vier Geschäftsmodelle:

Wenig Bindung Viel Bindung
Viel Nutzen Abo Mitgliedschaft
Wenig Nutzen Werbung Spenden

Werbung: Du konkurrierst mit TikTok und Instagram

Ohne Bindung und ohne Nutzen zahlt niemand. Erfolgreich können solche Angebote trotzdem sein, nämlich mit Werbung. Dafür musst du Menschen besonders gut zum Klicken bringen, und das ist in den letzten zehn Jahren immer schwieriger geworden.

Denn niemand bindet Menschen so eng wie die Social-Media-Plattformen. Kein Verlag und keine Medienmacherin hält das Publikum jeden Tag eineinhalb Stunden fest, TikTok und Instagram schaffen das. Außerdem wissen sie sehr viel über ihre Nutzer:innen, etwa wie sie sich verhalten und mit wem sie befreundet sind. Deshalb wirkt Werbung dort besser und lässt sich besser verkaufen als bei einer digitalen Zeitung, einer Website oder einem Blog.

Für Sebastian Esser wiegt etwas anderes noch schwerer: Werbung macht Inhalte meist schlechter. Wer von Klicks lebt, produziert irgendwann nur noch, was Klicks bringt, also Clickbait. Spätestens dann stellt sich die Frage, wozu du das überhaupt machst.

Spenden: ein Bekenntnis, das selten wiederkommt

Zahlen Menschen, obwohl sie keinen exklusiven Nutzen bekommen, ist das eine Spende. Die Zahlung ist ein symbolischer Akt: Wer spendet, legt ein Bekenntnis ab und zeigt, dass er es ernst meint. Die Soziologie spricht von Geltungskonsum. Man zeigt nach außen, wer man ist, etwa wenn man einen Baum pflanzt und davon erzählt.

Medien setzen immer seltener auf dieses Modell. Die taz tut es mit ihrem Programm „taz zahl ich“, bei dem Leser:innen aus Solidarität zahlen.

Spenden haben drei Probleme:

  1. Die Leute zahlen selten mehr als einmal. Wer gespendet hat, glaubt, seinen Teil getan zu haben; jetzt sollen andere ran. Und wer jeden Monat zahlt, während alle anderen umsonst mitlesen, kommt sich dumm vor. Das ist das Trittbrettfahrerproblem.
  2. Die Summe pro Person bleibt klein. Eine einmalige Spende von 20 Euro kommt der spendenden Person viel vor. Eine Mitgliedschaft für 5 Euro im Monat bringt nach vier Monaten genauso viel ein, danach mehr, und Mitglieder bleiben auf Steady im Schnitt gut zweieinhalb Jahre.
  3. Die Konversionsrate ist sehr niedrig. Nur ein kleiner Teil des Publikums zahlt, weil sich vielen nicht erschließt, warum sie zahlen sollten, ohne etwas davon zu haben. Das trägt nur mit riesiger Reichweite; der Guardian hat es mit einer Milliardenreichweite auf der ganzen Welt geschafft. Für unabhängige Medienmacher:innen ist das kein gangbarer Weg.

Abos: Hoher Nutzen, hohe Hürden

Die meisten Verlage haben heute ein Plus-Modell, also ein digitales Abo mit wenig Bindung und viel Nutzen. Sie verkaufen Inhalte und nennen das Paid Content; wer nicht zahlt, steht vor der Paywall. Das funktioniert seit Jahren gut, für die New York Times, die Washington Post, Spiegel, Zeit und vielleicht auch für deine Lokalzeitung.

Für unabhängige Medienmacher:innen ist dieses Modell schwierig. Es trägt nur, wenn das Produkt allein genug wert ist, und ein solches Produkt ist teuer. Ein Abo der Washington Post kostet von Deutschland aus oft nur ein paar Euro, dafür gibt es jeden Tag Journalismus von Tausenden Mitarbeitenden. Zu diesem Preis kannst du allein oder im kleinen Team nichts Vergleichbares bauen. Die Hürden, in diesen Markt einzusteigen, sind zu hoch.

Das zweite Problem ist die Churn-Rate, also der Anteil der Abonnent:innen, die kündigen. Nach Zahlen des Dienstleisters ProfitWell liegt sie bei Abo-Software oft bei 5 bis 10 Prozent im Monat, als grobe Spanne. Diese Leute musst du ständig ersetzen, nur um stabil zu bleiben, ein Rattenrennen. Wer allein für den Nutzen zahlt, wechselt ohne Hemmung, sobald die Konkurrenz günstiger ist. Sebastian nennt Spotify als Beispiel, ein fantastisches Produkt. Bietet Apple Music dasselbe günstiger an, wechseln viele.

Mitgliedschaften: Bindung und Nutzen zusammen

Im vierten Feld steht die Mitgliedschaft, in der beide Dimensionen zusammenkommen. Für unabhängige Medienmacher:innen funktioniert dieses Modell am besten. Es gibt eine Mission wie bei Spenden und einen Nutzen wie bei Abos.

Ein Abo ist ein Tauschgeschäft: mein Produkt gegen dein Geld. Eine Mitgliedschaft geht weiter: mein Produkt und/oder unsere geteilte Mission gegen dein Geld. Das wirkt auf zwei Ebenen:

  • Die gemeinsame Sache stiftet Identität. So entsteht eine Community um deine Publikation oder um dich als Person.
  • Die exklusiven Vorteile bringen Menschen zum Zahlen. Ein Teil der Community wird Mitglied und zahlt regelmäßig.

Dein Produkt muss dafür nicht mit Spiegel Plus, Zeit Plus oder Spotify konkurrieren. Die emotionale Bindung hält die Mitglieder, der Nutzen bringt sie dazu, regelmäßig zu zahlen.

Das zeigt sich in den Zahlen. Über die gesamte Plattform gerechnet liegt die Churn-Rate auf Steady bei rund 3 Prozent im Monat, deutlich niedriger als bei reinen Abo-Angeboten. Ein durchschnittliches Mitglied zahlt gut zweieinhalb Jahre lang (rund 30 Monate). Deshalb ist der Lifetime Value hoch, also die Summe, die ein Mitglied während seiner gesamten Mitgliedschaft zahlt, selbst wenn deine Preise unter denen teurer Abo-Angebote liegen. Wie du deine Preise festlegst, zeigt die Lektion Preise festlegen.

Wo stehst du heute?

Prüf, in welchem Feld du gerade stehst:

  • Kontonummer und PayPal-Knopf: Du sammelst Spenden. Die Leute zahlen meist nur einmal, Lifetime Value und Konversionsrate sind sehr niedrig.
  • Möglichst viele Funktionen und exklusive Vorteile: Du verkaufst ein Abo. Allein oder als kleines Team kannst du da kaum mithalten.
  • Gar kein Geld: Etwas zugespitzt arbeitest du als unterbezahlte Praktikantin oder unterbezahlter Praktikant für Social-Media-Plattformen, und die verdienen ohnehin genug.
  • Bindung plus Nutzen: Du baust eine Mitgliedschaft.

Willst du eine Mitgliedschaft aufbauen, müssen zwei Dinge stimmen. Dein Publikum muss deine Mission ohne jeden Zweifel verstehen, und deine Gegenleistungen müssen ihm etwas wert sein. Biete wenige an und beschreib sie klar. Dann wird ein Geschäft daraus.

Wie viele Menschen in deinem Publikum zahlen könnten, klärt die Lektion Potenzial. Wie gute Gegenleistungen aussehen, zeigt die Lektion Gegenleistungen.

Häufige Fragen

Was ist ein Membership-Modell?

Im Membership-Modell zahlt dein Publikum regelmäßig, weil es eine Mission mit dir teilt und dafür exklusive Vorteile bekommt. Das Modell verbindet also Bindung und Nutzen. So entsteht eine Community, von der ein Teil zahlendes Mitglied wird.

Was ist der Unterschied zwischen Abo und Mitgliedschaft?

Ein Abo ist ein Tauschgeschäft: Produkt gegen Geld. Wer nur für den Nutzen zahlt, kündigt schnell, sobald es woanders günstiger ist. Eine Mitgliedschaft verbindet den Nutzen mit einer geteilten Mission. Diese Bindung hält Mitglieder länger.

Warum reichen Spenden für Medien meist nicht aus?

Wer spendet, zahlt meist nur einmal und hat danach das Gefühl, seinen Teil getan zu haben. Nur ein sehr kleiner Teil des Publikums spendet, weil vielen nicht klar ist, warum sie ohne Gegenleistung zahlen sollten. Damit sich das lohnt, brauchst du eine riesige Reichweite.

Wie hoch ist die Kündigungsrate bei Mitgliedschaften?

Auf Steady kündigen, über die gesamte Plattform gerechnet, im Schnitt rund 3 Prozent der Mitglieder im Monat (Churn-Rate). Bei Abo-Software sind es nach Zahlen des Dienstleisters ProfitWell oft 5 bis 10 Prozent im Monat, als grobe Spanne. Ein durchschnittliches Mitglied bleibt auf Steady gut zweieinhalb Jahre (rund 30 Monate).

Passt dazu

Coach

Sebastian Esser

Gründer von Steady

Sebastian hat Krautreporter mitgegründet, das Magazin, das von seinen Mitgliedern finanziert wird, und schreibt den Newsletter Blaupause. Im College erklärt Sebastian, wie Mitgliedschaften funktionieren.