Bevor du eine Mitgliedschaft startest, willst du wissen, ob sich der Aufwand lohnt und wie viel Geld dabei herauskommen kann. Sebastian Esser antwortet darauf sehr konkret mit der Formel 3 × 5, die er im Video im Gespräch mit Justus Mache erklärt. Für die Rechnung brauchst du ein paar Zahlen aus deinen Kanälen und etwa 20 Minuten.
Die Faustregel: 3 × 5
Fünf Prozent der Menschen, die sich grundsätzlich für dein Angebot interessieren, zahlen meist fünf Euro im Monat. Sie tun das aber nur, wenn du sie mindestens fünfmal gefragt hast.
| Die Fünf | Was sie bedeutet |
|---|---|
| 5 Prozent | So viele deiner Follower werden zahlende Mitglieder. |
| 5 Euro | So viel zahlt ein Mitglied meist pro Monat. |
| fünfmal | So oft müssen die Leute dein Angebot sehen, bevor sie zahlen. |
Die 5 Euro sind nicht geschätzt. Auf Steady zahlen Mitglieder meist 5 Euro im Monat, im Schnitt gut 6 Euro (Stand 2026); im Video nennt Sebastian noch etwa 5,14 Euro. Oft ist mehr möglich. 5 Euro sind eher die Untergrenze, mit der du dich nicht verschätzt. Wie du deine eigenen Preise findest, steht in Was sind die richtigen Preise für Mitgliedschaften?
Schritt 1: Zähle deine Follower
Die 5 Prozent beziehen sich nicht auf deine gesamte Reichweite. Rund 95 Prozent deines Publikums werden nie zahlen, auch wenn sie regelmäßig deine Texte lesen oder deinen Podcast hören. Darüber musst du dich nicht ärgern, es ist nun einmal so.
Ein großer Teil deiner Besucher:innen ist Laufkundschaft, in der Branche One-Offs genannt. Sie stoßen über Google oder Social Media auf einen Artikel oder eine Episode, bleiben wenige Sekunden und kommen nie wieder. Nach Daten, die verschiedene Anbieter zusammengetragen haben, sind das 50 bis 70 Prozent. In deiner Statistik sorgen sie für hohe Besucherzahlen, doch die Wahrscheinlichkeit, dass sie zahlen, liegt bei null.
Rechnen solltest du mit deinen Followern. Von 100 Besucher:innen, die du in Google Analytics siehst, kommen etwa 10 regelmäßig wieder. Sie folgen dir auf Social Media, hören deinen Podcast oder abonnieren im besten Fall deinen Newsletter, sodass du ihnen direkt eine E-Mail schicken kannst. Aus dieser Gruppe kommen fast alle, die am Ende zahlen.
So schätzt du die Zahl deiner Follower:
- Wie viele Nutzer:innen besuchen deine Website regelmäßig (wiederkehrende Besucher:innen)?
- Wie viele Menschen erreichst du auf Instagram, Facebook, Twitter, Mastodon, LinkedIn, YouTube oder TikTok?
- Wie oft wird eine Podcast-Episode im Schnitt heruntergeladen?
- Wie viele Newsletter-Abonnent:innen hast du?
Zähl die Zahlen zusammen und zieh die Überschneidungen ab. Sebastian wettet, dass du für diese Zahl ein gutes Gespür hast. Das sind deine 100 Prozent. Hast du nur die Besuchszahlen deiner Website, hilft die Faustregel von oben: Von 100.000 Besucher:innen im Monat sind etwa 10.000 Follower.
Schritt 2: Rechne deinen möglichen Umsatz aus
Nun brauchst du zwei Multiplikationen:
- Follower × 5 Prozent = mögliche Mitglieder
- Mitglieder × 5 Euro = möglicher Monatsumsatz
Zwei Beispiele aus dem Video:
| Follower | Mitglieder (5 %) | Umsatz pro Monat (× 5 €) |
|---|---|---|
| 1.000 | 50 | 250 € |
| 10.000 | 500 | 2.500 € |
Ist dir das Ergebnis zu niedrig, hast du drei Hebel: Du kannst mehr Follower gewinnen, mit einem besseren Angebot mehr als 5 Prozent überzeugen oder einen höheren Preis verlangen. Kommt dir das Ergebnis hoch vor, etwa 1.000 Euro im Monat, rät Sebastian, sofort anzufangen. Die Zahl stimmt wahrscheinlich, und jeder Monat, den du wartest, wäre verschenkt. Mit dem Rechner auf dieser Seite kannst du verschiedene Werte ausprobieren.
Ein neues Produkt musst du für diese Follower nicht erst entwickeln. Sebastian geht davon aus, dass sie grundsätzlich bereit sind zu zahlen; wie dein Angebot im Einzelnen aussieht, findest du über Umfragen oder Gespräche heraus. Die Gegenleistungen zählen meist weniger, als man denkt. Mehr Gedanken solltest du dir über dein Mission Statement und dein Wertversprechen machen. Zu den Gegenleistungen steht mehr in Welche Gegenleistungen gehören in deine Mitgliedschaft?
Warum du fünfmal fragen musst
Die dritte Fünf übersehen viele. Deine Follower zahlen erst, wenn sie dein Angebot mindestens fünfmal gesehen haben. Du musst ihnen auf den Senkel gehen, und zwar so, dass es dir fast selbst unangenehm ist. Wenn du denkst, jetzt sei es zu viel, nehmen die Leute es gerade erst wahr. Das Internet ist groß, und in den Feeds rauscht alles vorbei. Niemand schenkt dir dieselbe Aufmerksamkeit wie in einem persönlichen Gespräch. Der professionelle Begriff für „auf den Senkel gehen“ lautet Marketing.
Bis alle deine Follower dein Angebot fünfmal gesehen haben, vergehen einige Monate. Zugleich kommen ständig neue Leute hinzu, die zunächst deine kostenlosen Inhalte nutzen, und auch sie musst du fünfmal ansprechen. Mit der ersten Kampagne ist die Arbeit deshalb nicht getan. Bau den Hinweis auf deine Mitgliedschaft dauerhaft in deine Inhalte ein. Wie du den Start planst, steht in Wie gewinnst du mit einer Membership-Kampagne zahlende Mitglieder?
Rückwärts rechnen: Wie viele Follower brauchst du?
Die Faustregel hat einen Nachteil: Sie eignet sich vor allem, wenn du schon ein größeres Publikum hast. Startest du ein neues Projekt bei null, kannst du nicht 5 Prozent von null Leuten gewinnen. Möglich ist es trotzdem, nur musst du dann planvoll Reichweite aufbauen.
Dafür drehst du die Rechnung um. Du gehst nicht von deiner Community aus, sondern von dem Betrag, den du mindestens brauchst. Gemeint ist nicht das Einkommen, das du gern hättest, sondern die Summe, ohne die du das Projekt lieber sein lassen würdest.
Im Beispiel aus dem Video brauchst du 1.000 Euro im Monat, um einen wöchentlichen Newsletter anbieten zu können.
- Teile den Mindestbetrag durch 5 Euro: 1.000 ÷ 5 = 200 Mitglieder. So viele willst du über einen längeren Zeitraum gewinnen, etwa im ersten Jahr.
- Diese 200 Mitglieder sind 5 Prozent deiner Follower. Multipliziere mit 20, um auf 100 Prozent zu kommen: 200 × 20 = 4.000 Follower.
Damit ist klar, was zu tun ist. Finde heraus, wie du regelmäßig 4.000 Menschen erreichst und zu Followern machst. Dann stellst du ihnen dein Angebot fünfmal vor und gewinnst 200 von ihnen als zahlende Mitglieder. Das ist ein Dreisatz und zugleich ein Businessplan. Er beantwortet nicht alle Fragen, macht deine Aufgabe aber sehr viel greifbarer.
Was die Rechnung nicht abbildet
Die 5 Prozent sind keine Wissenschaft, und jede Publikation ist etwas anders. Sebastian hat mit mehreren Leuten im Steady-Team darüber gesprochen, wie offensiv man die Zahl vertreten kann; nach seiner Erfahrung bei Steady kommt sie gut hin. Für eine erste Bierdeckel-Rechnung kannst du dich auf sie stützen.
Mehr Umsatz ist möglich, wenn du Preise und Angebot verbesserst und deine Reichweite vergrößerst. Die Wirklichkeit ist allerdings verwickelter. Manche Mitglieder kündigen wieder, und du musst sie ersetzen. Wächst dein Projekt länger und steigt die Kündigungsrate, der sogenannte Churn, muss dein Wachstum entsprechend höher sein. Was ein Mitglied über die gesamte Laufzeit wert ist, steht in Lifetime Value.
Für eine genauere Rechnung gibt es auf dieser Seite einen Bierdeckel-Businessplan als Google-Tabelle. Trag deine eigenen Annahmen ein; dann siehst du auch, dass brutto nicht gleich netto ist und dass sich dein Mitgliederstamm nur langsam aufbaut. Welche Steuern und Gebühren vom Preis abgehen, steht in der Lektion über Preise für Mitgliedschaften. Ausführlicher beschreibt Sebastian die Rechnung in der Blaupause-Ausgabe Was würdest du verdienen? Die magische Membership-Formel.

